Willkommen bei The Taphophile Kalle

Willkommen auf diesem neuen Blog. Er wird sich vor allem um ein sehr morbides Thema drehen: Friedhöfe.

Friedhöfe zu besuchen, zu fotografieren und sich damit zu beschäftigen ist gewiss kein alltägliches Hobby. Schnell gerät man in den Verruf, ein „Grufti“ zu sein. Jedoch ist das mitnichten so. Mein Interesse an Friedhöfen ist eher einem Zufall geschuldet: Auf dem Weg zu einem Chelsea-Spiel im Jahr 2014 bin ich mal mit dem Overground-Zug angereist und wollte in den Underground-Zug zum Fulham Broadway umsteigen. Dies ließ das TfL-Personal nicht zu und so musste ich wie alle anderen Chelsea-Fans zu Fuß die letzte Station laufen. Der kürzeste Weg führt dabei über den Brompton Cemetery, der nur durch Bahngleise von Chelseas Stamford Bridge getrennt wird.

The Magnificent Seven: Brompton CemeteryWas ich dort vorfand, faszinierte mich: mannigfaltige Grabmäler und Mausoleen. Mittendrin wunderschöne Kolonnaden und eine Kapelle. Am folgenden Tag war ich dann abermals dort und der  Friedhof zog mich mehr und mehr in seinen Bann. Spaßiger Weise waren dort einige Leute an den Kolonnaden zum Picknick versammelt.

Mit der Zeit fand ich heraus, dass der Brompton Cemetery nur einer von sieben herausragenden Friedhöfen ist, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt wurden. Nach und nach besuchte ich alle sieben. Auch darüber hinaus halte ich mittlerweile Friedhöfe wert besucht zu werden, auch wenn dort keine Angehörigen oder Freunde liegen. Insbesondere solche alten Friedhöfe sind in einer besonderen Weise angelegt. Garten- und Landschaftsplaner haben sich dort ebenso ausgetobt wie Pflanzensammler, Architekten und Steinmetze. Diese Orte der Trauer sind so einladend gestaltet, dass es einen kaum wundert, dass sich Menschen dort gerne aufhalten und beispielsweise wie oben erwähnt picknicken. Einladend waren diese Friedhöfe in der Peripherie des alten London übrigens auch für Schwule als Cruising Area – Homosexualität stand damals im Vereinigten Königreich noch unter Strafe – oder für Prostituierte als Arbeitsplatz. Heute tummeln sich dort zwischen den Trauernden Jogger, Radfahrer, Spaziergänger oder einfach Leute, die dort die Tauben füttern. Friedhöfe können also auch Freiräume und Aufenthaltsräume sein.

Ein großer Wert, den Friedhöfe haben, sind die Geschichten, die dort Geschichte erzählen. Extravagante Grabsteine, Architekturgeschichte, berühmte Persönlichkeiten oder Anekdoten über bestimmte Gräber sind Zeugnis über den Alltag jener Zeit. Friedhöfe sagen auch etwas über die Umgebung aus. Ein Vergleich der Friedhöfe im Londoner West End mit jenen im East End spricht Bände über die Sozialstruktur. Dazu aber an anderer Stelle mehr. Deswegen möchte ich Euch nun auf diesem Blog willkommen heißen. Die ersten Beiträge und Galerien werden in den kommenden Wochen veröffentlicht.

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