Brompton Cemetery: Das Grab von Emmeline Pankhurst

Bevor ich in der kommenden Woche mit dem ersten Blogeintrag zu einem Friedhof starte, gibt es in dieser Woche anlässlich des Weltfrauentages einen Beitrag zu Emmeline Pankhurst, die auf dem Brompton Cemetery beigesetzt. Solche Beiträge zu Gräbern einzelner Persönlichkeiten werden nicht die Regel sein, aber dann doch immer mal wieder vorkommen.

454px-emmeline_pankhurst2c_seated_28191329
Emmeline Pankhurst (1913), Quelle: Library of Congress, Public Domain

Pankhurst lebte von 1858 bis 1928 und trat für das Frauenwahlrecht im Vereinten Königreich von Großbritannien und Irland ein. Politisch begann sie im linken Teil des Spektrums und wandelte sich zu einer Konservativen. Sie gründete 1889 die Women’s Franchise League, die sich für das Frauenwahlrecht bei Lokalwahlen einsetzte. Dann unterstützte sie die Women’s Liberal Federation, eine Teilorganisation der Liberal Party.
Als 1893 die Independent Labour Party gegründet wurde, wechselte sie dorthin. 1903 brach Pankhurst mit dem Gedanken, über althergebrachte Parteien das Frauenwahlrecht zu erreichen. Sie gründete die Women’s Social and Political Union (WSPU). Die Organisation kämpfte anfangs gewaltfrei, fand aber später auch gewalttätige Maßnahmen legitim. Pankhurst wurde für ihre Aktionen verhaftet und verbüßte sogar eine Haftstrafe. Der gewalttätige Protest wurde in den Kriegsjahren eingestellt, um den Kampf gegen das Deutsche Reich nicht zu gefährden. Sie gehörte übrigens auch einer Delegation an, die das strauchelnde Russland von einem Friedensschluss mit dem Deutschen Reich abbringen sollte.
1918 erhielten Frauen ab 30 das Wahlrecht, während Männer bereits ab 21 wählen dürfen. Der Grund dafür war banal: Der britische Gesetzgeber wollte nicht, dass Frauen die Mehrheit der Wählerschaft stellen. Durch den Krieg war jedoch das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern in eine Schieflage geraten. Bei der Wahl 1918 durften übrigens Frauen auch für das Unterhaus kandidieren. Pankhurst wurde daher von vielen Seiten bedrängt, für die Women’s Party, die aus der WSPU hervorgegangen ist, anzutreten. Doch sie schickte ihre Tochter Christabel ins Rennen, welches jene verlor.*
Pankhurst hielt sich in den Jahren nach dem Weltkrieg viel in Nordamerika auf. In ihren Auftritten trat sie nicht nur für Frauenrechte, sondern mittlerweile auch gegen den Bolschewismus ein. 1926 wechselte sie zu den Konservativen und ließ sich für die Wahl 1929 als Kandidatin im Wahlkreis Whitechapel and St George’s aufstellen. Die Kandidatur brach sie aber im Frühjahr 1928 wegen eines familiären Skandals ab.


Am 14. Juni 1928 starb Pankhurst im Alter von 69 Jahren in einem Pflegeheim im Nord-Londoner Stadtteil Hampstead. Beerdigt wurde sie auf dem Brompton Cemetery. Den Lohn ihrer Mühen erlebte sie nicht mehr: Am 2. Juli 1928 erhielt das Gesetz zur vollkommenen wahlrechtlichen Gleichstellung von Frauen und Männern im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland die königliche Zustimmung.

Ort: Brompton Cemetery, London, UK
Wie kommt man zum Friedhof?
Mit Bus: 14, 74, 190, 211, 328, 414, 430, C1, C3
Mit Bahn: West Brompton Station (District Line & London Overground) bzw. Earls Court Station (District and Picadilly Lines)
Mit Rad: Rund um den Friedhof sind auch einige Docking Stations des Santander Cycle Hire Scheme.

*Christabel Harriette Pankhurst unterlag am 14. Dezember 1918 dem Labour-Kandidaten John Davison im Wahlkreis Smethwick. Sie hatte 775 Stimmen weniger als ihr Konkurrent.

Website bereitgestellt von WordPress.com.

Nach oben ↑